Dramatische Lage in der Logistik gefährdet Versorgungssicherheit
Niedrigwasser, gesperrte Autobahnbrücken, Güterschienenverkehr auf dem Abstellgleis
Die derzeitige Niedrigwasserlage auf den Bundeswasserstraßen wirkt wie ein Brennglas für die strukturellen Schwächen der deutschen Agrarlogistik. Sie zeigt, wie eng die Versorgungssicherheit von einem funktionierenden Zusammenspiel von Wasserstraße, Schiene und Straße abhängt – und wie gravierend die Folgen sind, wenn ein Verkehrsträger ausfällt. In einer Situation, in der die zuverlässige Versorgung von Landwirtschaft, Verarbeitungswirtschaft und Industrie mit Rohstoffen und Betriebsmitteln zunehmend gefährdet wird, haben sich führende Verbände der Agrar- und Ernährungswirtschaft zur Verbände-Initiative Agrarlogistik zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Politik für den dringenden Handlungsbedarf zu sensibilisieren und konkrete Maßnahmen für eine kurzfristige Stabilisierung sowie eine langfristige Stärkung der Verkehrs- und Logistikinfrastruktur anzustoßen.
Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist auf funktionierende Transportketten angewiesen. Getreide, Ölsaaten, Futtermittel, Düngemittel sowie weitere Rohstoffe und Betriebsmittel müssen zuverlässig zwischen Landwirtschaft, Agrar(groß)handel, Verarbeitungsunternehmen, Häfen und industriellen Abnehmern transportiert werden. Werden diese Warenströme unterbrochen, sind nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern zunehmend auch die Versorgungssicherheit Deutschlands betroffen. Die Verbände warnen, dass die gleichzeitigen Herausforderungen auf allen drei zentralen Verkehrsträgern mittlerweile eine akute Belastungsprobe für das gesamte Logistiksystem der Agrar- und Ernährungswirtschaft darstellen.
Nach Auffassung der Initiative zeigen sich die Probleme besonders deutlich im Schienengüterverkehr. Fehlende und verspätete Fahrpläne, unzureichend koordinierte Baustellen, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Trassen für kurzfristig erforderliche Transporte sowie steigende Trassenpreise beeinträchtigen die Planbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erheblich. Gleichzeitig verschärfen wiederkehrende Niedrigwasserperioden und ein anhaltender Sanierungsstau bei Schleusen, Wehren und Wasserstraßen die Situation in der Binnenschifffahrt. Der Straßengüterverkehr kann diese Ausfälle nur begrenzt auffangen, da auch dort Fahrzeug- und Fahrermangel sowie eine vielerorts sanierungsbedürftige Infrastruktur die Leistungsfähigkeit einschränken.
Die beteiligten Verbände setzen sich deshalb für ein leistungsfähiges Gesamtsystem aus Schiene, Wasserstraße und Straße ein. Versorgungssicherheit kann nur gewährleistet werden, wenn alle drei Verkehrsträger ihre jeweilige Funktion erfüllen und sich in Krisensituationen gegenseitig ergänzen. Hierfür fordern die Verbände unter anderem die Priorisierung systemrelevanter Agrargüter auf der Schiene, eine bessere Baustellenkoordination, verlässliche Fahrpläne, den Erhalt des Einzelwagenverkehrs sowie eine Reform der Trassenpreise. Darüber hinaus sprechen sie sich für verstärkte Investitionen in Wasserstraßen, Schleusen, Wehre und Binnenhäfen sowie für eine stärkere Einbindung der Wirtschaft in Krisenmanagementstrukturen bei Niedrigwasserlagen aus.
Als kurzfristige Entlastungsmaßnahme fordern die Verbände zudem eine befristete Anhebung des zulässigen Gesamtgewichts auf 44 Tonnen für den Transport von Agrargütern und Betriebsmitteln, wenn Schienen- oder Schiffsverkehre ausfallen. Dadurch können vorhandene Transportkapazitäten effizienter genutzt und Versorgungslücken vermieden werden. Gleichzeitig muss die bestehende Benachteiligung loser Agrarschüttgüter im Kombinierten Verkehr beseitigt werden.
Die Verbändeinitiative Agrarlogistik hat ihre Forderungen in einem gemeinsamen Positionspapier gebündelt und an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger übermittelt. Mit ihrem Appell verbinden die Verbände die Erwartung, dass die Herausforderungen in der Agrarlogistik frühzeitig aufgegriffen und konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der Verkehrs- und Transportinfrastruktur eingeleitet werden. Die gegenwärtigen Probleme auf Schiene, Wasserstraße und Straße sind keine isolierten Störungen einzelner Verkehrsträger, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden infrastrukturellen und administrativen Sanierungsstaus. Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionssicherheit erfordern deshalb ein entschlossenes politisches Handeln und eine Infrastrukturpolitik, die alle Verkehrsträger gleichermaßen in den Blick nimmt.
Die Verbändeinitiative Agrarlogistik wird getragen von DER AGRARHANDEL e.V., dem Deutschen Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen e.V. (Grofor), dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V., dem Deutschen Raiffeisenverband e.V. (DRV), dem Industrieverband Agrar e.V. (IVA), dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V. (OVID), dem Deutschen Verband Tiernahrung e.V. (DVT) sowie dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA).
Pressekontakt
Martin Courbier
Geschäftsführer
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2026-08-21_PM_Verbaendeinitiative Agrarlogistik
2026-08-20_Verbaendeinitiative Agrarlogistik